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Digitalisierung

Über ‚Digitalisierung‘ und ‚Industrie 4.0‘ wird seit einigen Jahren viel geschrieben und noch mehr spekuliert. Während auf Seiten der Unternehmen und ihrer Berater vor allem Chancen und Wettbewerbsfähigkeit gesehen werden, stehen für Gewerkschaften, Betriebsräte und Beschäftigte die möglichen Nachteile, vor allem der Verlust von Arbeitsplätzen im Mittelpunkt. Mit einer aktualisierten Studie zur Entwicklung der Gefährdung durch Digitalisierung und neue Technologien liefert das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) neue Informationen, die eine Abschätzung der Folgen nach Berufen und Regionen ermöglicht.[1]

Ergebnis der Studie ist, dass zwischen 2013 und 2016 der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Berufen mit hohem Substituierbarkeitspotential von ca. 15% (4,4 Mio. Beschäftigte) auf 25% (7,9 Mio. Beschäftigte) gestiegen ist. Dabei werden unter hohem Substituierbarkeitspotential diejenigen Berufe verstanden, deren Kernaufgaben zu über 70% durch Computer oder computergesteuerte Maschinen ersetzt werden könnten. Die Einschätzung des Umfangs der Ersetzbarkeit der Tätigkeiten (Substituierbarkeit) erfolgt aufgrund von Expertenwissen.

Die größten Substituierbarkeitspotentiale weisen dabei auf:

  • Fertigungsberufe: 83%
  • Fertigungstechnische Berufe: 70%
  • Unternehmensbezogene Dienstleistungen: 60%
  • Berufe in Unternehmensführung und -organisation: 57%
  • Verkehrs- und Logistikberufe: 56%

Heruntergebrochen auf die Branchen weist das Verarbeitende Gewerbe mit 54% das größte Substituierbarkeitspotential auf. Die Abbildung zeigt das Substituierbarkeitspotential der 8 gewichtigsten  Branchen in Deutschland.

Substituierbarkeitspotenziale nach Branchen 2016

Anteile der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einer Branche an allen Beschäftigten (Sonderkriterium) und Anteil der Beschäftigten mit hohem Substituierbarkeitspotential (>70%) an allen Beschäftigten sowie innerhalb der Branchen, in Prozent

 

Quelle: IAB

Mit 48% sehr hoch ist das Substituierbarkeitspotential in der oben nicht dargestellten Branche der Finanz- und Versicherungsleistungen. Im Gesundheits- und Sozialwesen beträgt es dagegen nur 5%, was angesichts der Diskussionen über den Einsatz von Pflegerobotern überraschen mag.

Wichtig ist, dass es sich bei den Schätzungen um Potenziale handelt. „Das Substituierbarkeitspotenzial darf deswegen auch nicht als Vorhersage für mögliche Beschäftigungsverluste missverstanden werden.“ Bestes Beispiel sind selbstfahrende LKW. Technisch sind sie ohne weiteres möglich; bis sie aber tatsächlich fahren, sind noch zahlreiche Rechts- und Akzeptanzproblem zu klären.

Dass Potenziale und ihre tatsächliche Nutzung auseinanderfallen, unterstreicht auch eine Befragung von pwc[2]. Im Bereich des Rechnungswesens, das in der IAB-Studie ein hohes Substituierbarkeitspotential aufweist, erwarteten 2016 noch 27% der von pwc Befragten, dass mit dem Einsatz von Robotern und Künstlicher Intelligenz die Beschäftigtenzahl ‚erheblich‘ sinken würde. 2017 ist dieser Anteil auf 19% zurückgegangen. „Dagegen hat der Prozentsatz jener Befragten, die lediglich eine ‚geringfügige‘ Mitarbeiterreduktion erwarten von 4 auf 24 Prozent zugelegt. Und von 34 auf 42 Prozent stieg der Anteil der Befragten, der Mitarbeiterreduktionen ‚nicht sofort, sondern nur mittelfristig‘ erwartet.“

‚Digitalisierung‘ und ‚Industrie 4.0‘ stellen in der Regel eine Betriebsänderung dar. Deren Durchführung unterliegt der Mitbestimmung des Betriebsrat (§ 112 ff. BetrVG). Mit langjähriger Erfahrung unterstützt EWR Consulting die Betriebsräte wirksam in Interessensausgleichs- und Sozialplanverhandlungen. Die zumeist schleichende Einführung neuer Technologien erschwert, sie als Betriebsänderungen wahrzunehmen bzw. sie als mitbestimmungspflichtig zu erkennen. EWR Consulting hilft den Betriebsräten, Einzelmaßnahmen der Geschäftsführung als ‚zusammenhängende Maßnahmen‘ zu begreifen und die Mitbestimmung durchzusetzen.

 

 

[1] IAB-Kurzbericht 22/2018, Regionale Branchen- und Berufsstrukturen prägen die Substituierbarkeitspotenziale.

[2] pwc, Digitalisierung im Finanz- und Rechnungswesen und was sie für die Abschlussprüfung bedeutet, Mai 2018.

EWR

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