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Die Wirtschaftslage der deutschen Unternehmen

Die Wirtschaftslage der deutschen Unternehmen

Kurz vor Weihnachten berichtet die Deutsche Bundesbank regelmäßig über die Ertragslage und Finanzierungsverhältnisse deutscher Unternehmen im Jahr zuvor.[1] Die jüngste Untersuchung ist im Dezemberheft 2018 der Monatsberichte der Deutschen Bundesbank erschienen. Ihr lagen insgesamt 21.000 Jahresabschlüsse zugrunde.

Bereits einleitend heißt es: „Im Einklang mit dem überaus günstigen wirtschaftlichen Umfeld im Jahr 2017 konnten die nichtfinanziellen Unternehmen ihre sehr gute Ertragslage des Vorjahres nochmals verbessern.“ Und „erreichte die durchschnittlichen Vor-Steuer-Umsatzrendite der Unternehmen im Berichtsjahr ihren Höchststand seit dem Rekordwert aus dem Jahr 2007.“

Die wichtigsten Kennziffern zur Unternehmensentwicklung gibt die nachstehende Tabelle wieder. Diese Kennziffern werden zumeist auch bei der Analyse von Einzelabschlüssen verwendet, womit eine vergleichende Einschätzung der wirtschaftlichen Situation der Einzelunternehmen möglich ist:

Insbesondere zeigt sich, dass sich die Materialquote erhöht hat. Sie beläuft sich auf 65,1% nach 64,6% im Vorjahr. Gleichzeitig ist die Personalquote leicht gesunken. Die Produktivität – gemessen in Umsatz je Euro Personalaufwand – ist um 4 Cent gestiegen.

Die Abbildung zeigt die Entwicklung der Gewinne (vor Steuern) und der Umsatzrendite in den letzten 10 Jahren:

Noch eindrucksvoller hat sich die wirtschaftliche Lage der deutschen Konzerne entwickelt (230 Konzerne des Prime Standards):

  • Die Umsätze stiegen 2017 um 5,2%. Die Umsatzrendite lag bei 8,4%, das sind 1,7%-pp mehr als im Vorjahr.
  • Das EBIT wuchs um ein Drittel (33,2%). Die Eigenkapitalquote lag bei 31,6%, das sind 3,2%-pp mehr 2016.

Die Bundesbank weist mehrfach auf die Bedeutung der Automobilindustrie hin und schlussfolgert, „dass sich zumindest die Auswirkungen der finanziellen Belastungen der Automobilkonzerne aus der Abgasaffäre auf die Ertragskraft der nichtfinanziellen Unternehmen in Deutschland in Grenzen hielten.“ Und weiter: „Dabei konnten die Konzerne aus dem produzierenden Gewerbe, darunter vor allem die Automobilbranche, durch einen überdurchschnittlichen (Umsatz)Zuwachs (+5,5%) von den ausgesprochen positiven Bedingungen auf den Absatzmärkten profitieren.“

Für 2018 schätzt die Bundesbank, dass die leichte Abkühlung der Konjunktur keinen Einfluss auf die Unternehmensgewinne hat: „Nichtsdestoweniger gibt es Hinweise darauf, dass die Ertragslage der Unternehmen im Jahr 2018 weiterhin sehr gut gewesen sein dürfte.“

Ob die gute Ertragslage auch noch 2019 anhalten wird, ist aufgrund der prognostizierten schwächeren Konjunktur fraglich. Vor allem solche Unternehmen und Branchen, die schon 2018 nur unterdurchschnittlich gewachsen sind, werden vermehrt unter Druck geraten und ihre Erträge durch Personalabbau zu verteidigen versuchen.

EWR Consulting berät und unterstützt Betriebsräte, die mit (Teil)Betriebsschließungen, Transformationsprozessen, Kündigungen oder Forderungen nach Einkommensverzichten konfrontiert sind. EWR Consulting analysiert die wirtschaftliche Lage der Unternehmen und die behauptete Notwendigkeit der geplanten Personalmaßnahmen. Gemeinsam mit den Betriebsräten erarbeiten wir gangbare Alternativen, um Arbeitsplätze und Einkommen der Beschäftigten zu erhalten.

[1] Deutsche Bundesbank, Monatsbericht Dezember 2018, S. 33ff.

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